Daniel Studer

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Splitter, 2006


a dance-music project with
Oona Project and Trio III-VII-XII

dance:
Marisa Godoy, Michael Rüegg, Slava Zubkov

music:
Urs Hänggli, Mischa Käser, Daniel Studer

infos:
download deutsch (pdf)

press:

Neue Musik sucht eigene Körpersprache...
...In der Mitte des Kirchenraumes ist eine Matte ausgerollt, darauf interagieren drei Tänzer und drei Musiker. Die Bühne wird schlicht, aber funktional beleuchtet, im Halbrund gruppieren sich darum herum die Zuschauer. Und das Geschehen offenbart sich als ein Experimentierfeld von Klang und Bewegung: Da wirbeln die Körper willkürlich umher, um sogleich in einer neuen Position zu erstarren, mal spastisch, ja irrwitzig, dann wieder akrobatisch und bedacht, mal von Musik beschallt, dann wieder geräuschlos.
Da glaubte man am Montag in der Matthäuskirche bisweilen, im Tanz Gesten auszumachen, tierhaftes Gebaren, Balzen und Animositäten, bevor die Figuren erneut ins Abstruse entglitten. Denn die Bewegungen wurden hier zum Abbild entfremdeter Klänge, produziert durch ein klassisches Instrumentarium, durch Stimme, Blockflöten, Kontrabass und Perkussion.
..."Splitter" ... bot im Rahmen des Forums Neue Musik Luzern einmal mehr aktuelles Musikschaffen: wohl dosiert in Anspruch und Dauer, ungekünstelt, publikumsnahe und mit ungemein spannenden Protagonisten. Der souveräne Umgang mt Körper und Instrumentarium machte Lust auf mehr....

David Koch, Neue Luzerner Zeitung, 2008

Ein Flirt mit Extremen
«Splitter» im Tanzhaus Wasserwerk
Eine Liebesgeschichte wie viele: ungemein vertrackt, selten rauschhaft und betörend, oft genug eher freudlos, und doch kann keiner ohne den anderen sein - die Liaison von Tanz und Musik. Auch im Tanzhaus Wasserwerk ist mit «Splitter», einem Stück der Compagnie Oona Project um die Tänzerin Marisa Godoy, und den Musikern des Trios III-VII-XII derzeit eine Performance zu erleben, die musikalisch-tänzerische Verstrickungen auslotet. - Ganz vorn in einer Reihe stehen fünf Männer und eine Frau, regungslos zunächst, in rotes Licht getaucht. Ein Bogen kreist fahrig über die Saiten eines Kontrabasses. Das monotone Metrum befällt eine Flöte, dann eine quakende Stimme - bis taktlos jemand schliesslich ausbricht, sich polternd zu Boden wirft, sich aufbäumt und in grotesken Verdrehungen windet. Ein Flirt mit Extremen. Jähe Eruptionen auch in den folgenden, lose verbundenen Sequenzen. Fragmente, Splitter eben, in denen Godoy in weit ausladenden Bewegungen durch den Raum tobt, Knie auf den Boden knallen, Saiten krachen, Hölzer jaulen. Auch Stille und Langsamkeit brechen immer plötzlich über das Geschehen herein. Kein Laut, nur verhetzter Atem. Dicht gedrängte Körper erstarren zu bizarren Skulpturen, driften langsam auseinander. Der Bass ist ein Windspiel, das Tamburin ein raschelndes Goldschürfersieb, aus dem Fagott dringt ein Vogelkonzert, und die Stimme (virtuos: Mischa Käser) gehört einem arabischen Händler, einem Buchstabenstolperer aus Lappland, einem sibirischen Schamanen.
Nur flüchtig nehmen die Tänzer klangliche Impulse direkt auf. Vielmehr umgarnen Klänge und Bewegungen einander wie genierte Teenager. Analogien bleiben subtil und differenziert, der Ton ist immer leicht und poetisch. Beziehung ist Wagnis - schön, wenn es keine belanglose Tändelei, sondern eine köstliche Affäre ist.

Anja Lachmann, NZZ, 2006

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